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Ein Vogel segelt lautlos unter uns am Abgrund vorbei, tief drunten dampft der Wald. Ein erfrischender Nieselschauer kühlt unsere Haut, der feuchte Fels ist steil und wunderbar griffig. Und in der Ferne leuchtet die weiten Sandbögen von Copacabana und Ipanema herüber. So ähnlich könnte sich das Paradies anfühlen. Über 100 Kletterrouten führen auf den Gipfel des Zuckerhuts. Wir haben uns für den Klassiker entschieden, die Via dos Italianos, die Italienerroute, eine der grandiosesten Routen weltweit, die es im unteren sechsten Schwierigkeitsgrad gibt. Die „Reibungskletterei“ braucht keine Krafthangelei an Überhängen, sondern Balance und trittsichere Füße. Die Anreise machten wir mit Bahn und Bus, dann weiter steil durch den Dschungel, über uns stiebt eine Affenhorde durchs Blätterdach. Jäh erhebt sich vor uns die fast senkrechte Granitwand. Wir binden uns ins Seil ein, schultern die Rucksäcke und heben ab. Schnurgerade geht es zwei Seillängen etwa sechzig Meter weit emport, in seiner klaren Linienführung ein Meisterwerk des italienischen Designs. Die Route wurde in den Siebzigern angelegt und mit bombenfesten Bohrhaken abgesichert, in die wir das Seil mit Karabinern einhängen. Hoch über uns schweben die Seilbahnen auf und ab, Touristen richten ihre Teleobjektive auf uns, winzig wie zwei Ameisen, die sich auf einen Laternenpfahl verirrt haben. Mitten an der steilsten Stelle der Wand lassen wir uns an den Sitzgurten baumeln, drehen uns um und saugen den Blick ein, auf die Strände, den Wald unter uns, die Wolken darüber. Nach fünf, sechs Seillängen liegen immer mehr Bananenschalen und Coladosen herum, das Indiz, dass wir fast oben sind. Die Zivilisation hat uns wieder. Als wir ein Seilbahnticket kaufen wollen, lacht die Kassiererin nur und winkt uns durch. Sie sieht uns anscheinend als Zirkusartisten zur Belustigung der Touristen, unbezahlte Außendienstmitarbeiter am Mythos Zuckerhut.

Weitere Infos:

Weg zum Einstieg: Mit dem Autobus bis zur Endhaltestelle „Instituto Militar de Engenharia“. Dann weiter über den Fußpfad.

Rio hat mehrere Kletterclubs mit netten Mitgliedern. Dort fand unser Autor seinen Kletterpartner Pedro. Diverse kommerzielle Unternehmen bieten ebenfalls Touren an und verkaufen Topografische Kletterführer. Hier ein Beispiel:

http://www.companhiadaescalada.com.br/

info@companhiadaescalada.com.br

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