Bildschirmfoto 2015-06-02 um 18.08.10

Digital ist gut, hybrid ist besser. Dieser Ideologie folgt WhiteAlbum, eine App für iPhone und iPad, die durch das besticht, was sie alles nicht kann: „No editing or retakes. No instant gratification.“

Wer sie herunterlädt, kann genau 24 Fotos schießen, nicht mehr und nicht weniger. Nach dem Knipsen bleiben die Fotos unsichtbar, wie damals, vor gefühlten hundert Jahren, als man eine komplette Filmrolle belichten musste, die man dann zum Fotoladen trug, um nach endlos langen Tagen die Abzüge abzuholen. Wie sind die Bilder geworden – falls sie überhaupt etwas geworden sind? Erst möchte man platzen vor Neugier, darauf folgt Unglauben, dann Wut – und schließlich Resignation.

Fast schon hat man die Fotos vom letzten Sommer vergessen, da steckt plötzlich ein kleines Paket im Briefkasten: Post von der Foto-App, mit altmodischen Abzügen auf physischem echtem Totholz. Die Bilder wirken fremd und doch vertraut, durch das Warten gereift wie ein alter Wein. Weniger ist hier mehr, vor allem mehr Geld: Ein „Film“ kostet 20 Dollar. Askese muss man sich leisten können. Dann der nächste Spaß: eine Briefmarke auf den Abzug, die Adressen von Freunden und einen Gruß dazugekritzelt, und wieder ab die Post und irgendwann eine ungläubige, euphorische SMS: „Ein echtes Foto mit der echten, alten Post? Wahnsinn!“

(….)

Mehr über Hybridfotografie HIER im Kulturspiegel, den es neuerdings nicht nur für Abonnenten gibt.

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