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„Roland Tichys Einblick“ bringt eine plausibel klingende Kritik am aktuellen Spiegel-Titel:
„Der SPIEGEL überrascht in dieser Woche mit einer Titelgeschichte über die Alpen. Die Stoßrichtung ist so indifferent wie die Unterzeile auf dem Cover. (…) Ich verspüre auch keinen Verlust, den zum Beispiel Autor Hilmar Schmundt in „Heidi ade“ beklagt, wenn er die Urlaubserinnerungen seiner Kindertage mit der Gegenwart vergleicht.“
 
Das ist eine schöne These, liest sich gut.
 
Allerdings hat sie einen winzigen Makel: Ich komme zum komplett und diametral entgegengesetzten Fazit in meinem Artikel:
 
„Kol­laps, be­droh­tes Pa­ra­dies, Krebs­ge­schwulst? Von we­gen. Nie wa­ren die Al­pen so wohl­ha­bend, ihre Tier­welt war sel­ten so viel­sei­tig, kaum je die Kul­tur im Her­zen Eu­ro­pas so viel­fäl­tig wie heu­te. Vie­le Pro­ble­me sind im­mer noch un­ge­löst. Doch gleich­zei­tig ent­ste­hen über­all neue Lö­sun­gen.“
 
Vielleicht sprechen wir nicht über denselben Text?
Aber das ist nicht schlimm, ich finde es eher unterhaltsam. Schließlich ist der letzte Satz in meinem Alpen-Artikel:
„Der Berg ruft. Aber je­der scheint et­was an­de­res zu hö­ren.“
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Hier noch einmal zum Nachlesen das Fazit meines Artikels:
Bildschirmfoto 2017-08-13 um 18.26.45
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Update:
 
Mein Alpen-Artikel ist auch eine Expedition in die Seelen- und Geisteslandschaft einiger Leser.
 
Faszinierend, was für Kommentare ich auf FB und Twitter zum Thema alpiner Klimawandel bekomme.
 
Besonders eindrucksvoll finde ich, wie hier ein Sound der philosophischen Nachdenklichkeit zu beobachten ist, der Irreführendes recht elegant in die Rhetorik der Mäßigung und Pragmatik verpackt. Ein Triumph des verbalen Produktdesigns: „Die Erosion der Alpen ist auch eine Folge der Geldmaschine Tourismus und Raubbau. Sind die Alpen nicht entstanden durch Klimawandel?“.
 
Oder der hier: „Sicherlich traurig, bedenklich, das gehört aber zu den extrem langen, zyklisch wiederkehrenden Ereignissen unserer Erde – die wir fürchten.“
 
Ganz fürchterlich seriös wirkt auch dieser Kommentar zunächst: „Ja, das Klima wandelt sich! Und das ist auch gut so – sonst wäre es langweilig. Und hört endlich auf zu jammern und bedenkt: wir befinden uns immer noch am Ausgang der letzten Eiszeit.“
 
Und als kleiner Rausschmeißer dieser hier: „Auch im Flachland gibt es massig Probleme.“ Ach, echt jetzt? Das hätte ich nie gedacht.

 

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