Berge

 Zuckerhut mit Helm: Klettern über der Copa Cabana (2004) (Diashow)

Hilfe vom Himmel: Die Berge haben scheinbar ihren Schrecken verloren: Mit Handys können Verunglückte stets einen Rettungshubschrauber rufen. Folge: Die Touristen werden sorgloser, die Einsätze riskanter.

Naturwunder und Todestempel: Das Matterhorn, der berühmteste Berg der Schweiz, wurde zum Friedhof für Hunderte Bergsteiger. Seine Besteigung ist eine echte Pilgertour. Doch manchmal wartet auf dem Gipfel eine Enttäuschung. (Diashow

Der vertikale Western: Seit der Bergfilm in den dreißiger Jahren von den Nazis vereinnahmt wurde, gilt er als politisch verdächtig. Nun entdeckt eine junge Generation von Regisseuren das Genre neu und misst sich mit Produktionen wie „Nordwand“ an Klassikern von Leni Riefenstahl und Luis Trenker. (Mit Lars-Olav Beier.) Einer der heimlichen Hauptdarsteller damals wie heute ist die Bergwelt selbst in ihrer Erhabenheit, die im Betrachter Angstlust und wohligen Schrecken auslöst. Doch das Sublime der vertikalen Wildnis wirkt heutzutage völlig anders als in den Zwanzigern und Dreißigern, als Gletscher und Gipfel für die meisten Städter wie eine bedrohliche neue Welt erschienen. Heute dagegen sind die Alpen eine Kultur- landschaft, überzogen von einem dichten Netz aus Skiliften, Klettersteigen, Hütten und Handy-Masten. Und so mag die Darstellung der alpinen Naturgewalten heute eher tröstlich und entlastend wirken: Endlich einmal löst der Anblick eines Gletschers nicht gleich den üblichen Klimaschutzreflex aus, sondern andächtiges Erschauern. Vielleicht reagieren die neuen Bergfilme auf die Sehnsucht nach einer Natur, die zu stark ist, um von den Menschen zerstört zu werden.

Star aus Stein: Großes Kino, schwülstige Oper, cooler Clip: Die Bergsteiger-Tragödie „Nordwand“ sollte das Meisterstück des Allround-Regisseurs Philipp Stölzl werden. Dafür stieg er sogar selbst auf den Eiger – und nahm SPIEGEL-Redakteur Hilmar Schmundt mit auf den Gipfel. (Hier eine Fotogalerie)

Spurensuche in der Todeszone: Unter Extrembedingungen in über 5000 Meter Höhe versuchen Forscher ein einzigartiges Klimaarchiv zu bergen: Schon bald könnten die Gebirgsgletscher des Kilimandscharo geschmolzen sein. Je mehr die Wissenschaftler herausfinden, desto rätselhafter erscheint ihnen das Tropenklima. 

Unterwelt am Himmel: Seit über fünfzig Jahren erkundet der Science-Fiction-Autor Herbert W. Franke die Höhlen der Alpen. Nun will er nach Leben auf dem Mars suchen – und klettert dazu in die unterirdischen Lavalabyrinthe auf der Vulkaninsel Hawaii.

Flakbunker Mariahilf (Wien) (Diashow)

Puzzle aus dem Eis: Die Alpengletscher schrumpfen, das ist bekannt. Doch nun stellt sich heraus, dass sie in der Römerzeit kleiner waren als heute; vor 7000 Jahren waren sie möglicherweise sogar fast verschwunden. Auf den Spuren der „grünen Alpen“ bergen Klimatologen Überreste alter Wälder im Schweizer Eis.

 

Der Papst der Eisenwege: Klettersteige sind populär wie nie. Das vertikale Wandern, gesichert an Drahtseilen, verspricht risikolose Abenteuer vor phantastischer Bergkulisse. Der Autor Eugen Hüsler gilt als vielleicht wichtigste Autorität in Sachen Himmelsleitern – und sieht den Boom mit zwiespältigen Gefühlen.

Der verkabelte Feuerberg: Hightech statt Heldentum: Forscher haben den Kilauea auf Hawaii mit einem Netz automatischer Messstationen überzogen und beobachten so aus sicherer Entfernung alle Regungen des Vulkans.

Cervelli setzt auf Hightech statt Heldentum – anders als die Vulkanologen früherer Zeiten, die sich als todesmutige Feuerbergsteiger hervortaten. Einen der berühmtesten von ihnen kennt er persönlich: Cervelli studierte anfangs in Tempe, Arizona, wo auch der Vulkanforscher Stanley Williams lehrt. Dessen Buch „Der Feuerberg – Wie ich den Ausbruch des Vulkans Galeras überlebte“ wurde 2001 ein Bestseller. Darin schildert der Professor, wie seine Forschungsgruppe in eine Eruption am kolumbianischen Galeras geriet; sechs Wissenschaftler kamen um.

Auch Williams selbst wäre fast ein Opfer des Vulkans geworden. Glühende Schlackebomben zertrümmerten ihm Beine und Schädelknochen. Nur durch die Hilfsaktion zweier Kolleginnen wurde er gerettet. Danach musste er über 20-mal operiert werden. Rund 300 Forscher beschäftigen sich weltweit ernsthaft mit Vulkanismus, schätzt Williams. Jedes Jahr fällt im Schnitt einer von ihnen seinem Forschungsgegenstand zum Opfer. Doch dieser Blutzoll sei nicht umsonst, findet der Altmeister: „Die besten Arbeiten kommen von jenen, die in aktive Krater klettern.“

Diese draufgängerische Selbstinszenierung ist Cervelli zuwider. „Es war unnötig, damals am Kraterrand des Galeras‘ rumzurennen“, widerspricht er Williams. „Eine tolle Abenteuergeschichte – aber wissenschaftlich war die Ausbeute minimal.“ Cervelli bedauert nur eines: dass er die waghalsige Feldarbeit noch nicht gänzlich abschaffen kann. Per Hubschrauber, mit Geländewagen oder zu Fuß müssen die Forscher regelmäßig ihren Gerätepark warten. Schon nach wenigen Wochen sehen die Metallbeschläge einiger Messstationen rostig aus wie Schatzkisten in einem Piratenfilm, zerfressen vom schwefelsauren „Vog“, dem Vulkansmog.

 Als er aus dem Fenster seines Büros schaut, reckt sich eine gelbbraune Rauchwolke über dem „Pu-u-Ô-ô“-Krater kilometerweit in den Morgenhimmel. „Das müssen wir uns ansehen“, ruft er Marie Edmonds zu, einer zierlichen Französin im Freizeitlook mit Sandalen, Sonnenhütchen und Sonnenbrille. Die beiden sprinten über den Parkplatz, springen in einen der zwei Dutzend schweren Geländewagen und rasen in Richtung Wolkenschatten.Im Kofferraum liegt Edmonds‘ rund 80 000 Dollar teure Ausrüstung in einem Rollköfferchen verpackt: ein Infrarot-Spektroskop. Wird dieses Messgerät auf die Vulkan-Abgase gerichtet, so errechnet eine dazugehörige Software exakt deren chemische Zusammensetzung. „Jeden Tag spuckt der Vulkan rund 2000 Tonnen Schwefeldioxid aus“, schätzt Edmonds, „damit dürfte er einer der größten Luftverschmutzer der USA sein.“ Eine Weile lang irren die beiden Forscher mit dem Geländewagen hin und her, auf der Suche nach dem perfekten Messpunkt. Nun müssen auch die Datensammler notgedrungen wieder auf die altbewährten Methoden zurückgreifen. „Ich bekomme einen leichten Reizhusten vom Schwefeldioxid“, bemerkt Cervelli zufrieden und fährt an den Straßenrand. „Es kann nicht mehr weit sein.“„Ja, hier sind wir richtig“, sagt Edmonds. Sie baut Notebook und Spektroskop auf und schnalzt mit der Zunge wie ein Geologiegourmet: „Ich habe diesen belegten Geschmack auf der Zunge. Das kommt vom Phosphor. Die Messung kann beginnen.“

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