Kulturtechnik

Marktplatz für Ideen: Ausgerechnet im Zeitalter der Digitalisierung werden viele neue Bibliotheken errichtet. In den futuristischen Prestigebauten entstehen multimediale Erlebniszentren.

Bücher zu Buchen: Warum uns der Abschied von Papierbüchern so schwer fällt. Und so befreiend ist.

 

Suzanne Vega in der New York Times über ihren Hit „Tom’s Diner“ als Inspiration für das MP3-Format: „So Mr. Brandenberg gets a copy of the song, and puts it through the newly created MP3. But instead of the “warm human voice” there are monstrous distortions, as though the Exorcist has somehow gotten into the system, shadowing every phrase. They spend months refining it, running “Tom’s Diner through the system over and over again with modifications, until it comes through clearly. “He wound up listening to the song thousands of times,” the article, written by Hilmar Schmundt, continued, “and the result was a code that was heard around the world. When an MP3 player compresses music by anyone from Courtney Love to Kenny G, it is replicating the way that Brandenburg heard Suzanne Vega.”

Sondereinsatzkommando im Netz: Qualitätsjournalismus ohne Kommerzialisierung: Die Redakteure der amerikanischen Stiftung ProPublica realisieren ungewöhnliche Konzepte, verschenken ihre mühsam recherchierten Datenschätze – und sind damit enorm erfolgreich.

Lesen im Schwarm: Elektronische Bücher könnten im Weihnachtsgeschäft den Durchbruch schaffen, mit besseren Geräten, riesigem Angebot und fallenden Preisen. Pioniere gründen bereits Lesezirkel im Internet: „Social Reading“-Portale, in denen sie Zitate, Kommentare und Empfehlungen austauschen.

Markenreporter, Reportermarken: The New Journalism, ein Zauberwort für viele, auch in Deutschland. Damals, in den Sechzigern, waren die USA das Land der unbegrenzten stilistischen Möglichkeiten. Hier wucherten die wildesten Text-Experimente, Exzesse wie „The Elektric Kool-Aid Acid Test“ und Artikel, die in wenigen Sekunden von null auf hundert beschleunigten: „There Goes (Varoom! Varoom!) That Kandy-Kolored (Thphhhhhh!) Tangerine-Flake Streamline Baby (Rahghhh!) Around the Bend (Brummmmmmmmmmmmmmm)“. Was für ein Irrsinn.

Literaturdarwinismus: Der Münchner Germanist Karl Eibl, 67, erforscht die biologischen Grundlagen der Poesie und führt damit einen Feldzug gegen die vermeintliche Beliebigkeit literaturwissenschaftlicher Interpretationen. Am kommenden Sonntag hat er seinen großen Auftritt. Karl Eibl wird auf dem Deutschen Germanistentag in Marburg den Eröffnungsvortrag halten vor den rund 500 Wissenschaftlern, die aus aller Welt zu dem traditionsreichen Kongress anreisen werden. Was für ein Abschied. Die Fachwerkkulisse der Altstadt verspricht Idylle, das Thema lautet beschaulich: „Natur – Kultur“. Über dem Germanistengipfel ist Ruh, so schien es bislang. Doch nicht mit Eibl. Er will in seinem Vortrag Ungeheuerliches fordern: Wer Gedichte studiert, solle zunächst Darwin lesen, wer Goethe verstehen will, müsse Genetik büffeln. Über allen Gipfeln / Ist Ruh, / In allen Wipfeln / Spürest du / Kaum einen Hauch – wenn Eibl derlei Verse hört, will er nicht gepflegt über Paarreime parlieren, sondern über Paarungskonkurrenz und „biologisch gestützte Grundstrukturen“. Als Gewährsmann nennt er ausgerechnet den Medizinstudenten Friedrich Schiller, der in seiner Dissertation schon 1780 forderte, den „merkwürdigen Beitrag des Körpers zu den Aktionen der Seele“ zu untersuchen, den „Einfluss des tierischen Empfindungsystemes auf das Geistige“. Karl Eibl hat eine diebische Freude dabei, diesen Vortrag zu verfassen, das merkt man ihm an. Es dürfte eine lebhafte Veranstaltung werden.


Wie die deutsche Buchbranche das Internet verschläft: Buchwelt und Internet wachsen zusammen: Der Online-Händler Amazon will in den nächsten Jahren Hunderttausende Werke digitalisieren, die Suchmaschine Google sogar 15 Millionen. Wie kann sich Europa gegen die Dominanz der amerikanischen Netzgiganten behaupten? (2005)

Mitunter preschen einzelne Akteure vor: Jeanneney zum Beispiel ließ an der BnF ein Konvolut aus rund 70 000 französischen Werken digitalisieren. Doch der Zugriff auf die Datenbank namens „Gallica“ ist langsam, kompliziert, lieblos und abschreckend.

Auch die deutsche Privatwirtschaft rührt sich. Von den amerikanischen Buchsuchmaschinen überrascht, erwägt der Börsenverein des Deutschen Buchhandels, einen dezentralen Verbund aus Verlagsservern aufzubauen, auf denen aktuelle Bücher in digitaler Form abrufbar gehalten werden. „Google könnte auf unsere Daten zugreifen, gegen eine Gebühr“, schlägt Matthias Ulmer, der Leiter der zuständigen Arbeitsgruppe „Volltextsuche online“, vor.

Doch als er seine Idee im Juni auf den Buchhändlertagen in Berlin vortrug, blieb die Stimmung im Saal skeptisch. Zudem bezweifeln Beobachter, dass die ohnehin gebeutelten Verlage überhaupt in der Lage sind, den Technikexperten von Google Paroli zu bieten in puncto Suchgeschwindigkeit, Verfügbarkeit und Logistik.

Der technische Rückstand ist umso erstaunlicher, als Deutschland ursprünglich im internationalen Vergleich einen guten Start hinlegte. Seit 1997 schon finanziert die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) mit rund 28 Millionen Euro mehr als 90 Digitalisierungsinitiativen quer übers Land verstreut.

Im Januar zogen die Gutachter Bilanz – der Evaluierungsbericht fiel vernichtend aus: Kaum jemand kenne oder nutze die geförderten Websites, viele Projekte seien „im Internet so gut wie unsichtbar“, das Angebot sei fragmentiert, es gebe „nur minimale Synergieeffekte“. Wenn die Probleme nicht behoben werden, „sollte die weitere Förderung im Umfang mindestens stark eingeschränkt werden“, so das Fazit.

Ein großer Kritikpunkt: Ein gemeinsames Portal fehle noch immer. Vor allem aber mangelt es am Blick auf die Benutzerbedürfnisse. Bisher, so Ralf Goebel von der DFG, sei eben mehr auf Klasse als auf Masse gesetzt worden. Anders gesagt: Es ging eher darum, wertvolle Bestände „konservatorisch“ zu scannen, um sie zu schonen und seltener ausleihen zu müssen. Die Google-Offensive erscheint im Vergleich wie der Inbegriff von Nutzernähe.


Hyperfiction: Die Literarischen Programme des Michael Joyce. Binnen einer Dekade hat sich die Hyperfiktion also als eine stabile Nischenkultur in amerikanischen Creative Writing-Kursen etabliert. (1996)

Hypertext: Where are the Hypernonfictions? (Vortrag, 1997)

Der nächste Klick als größter Kick (Mit Stephan Porombka)

Mein Lieblings-Verweis: 또한 탈중심적인 이야기의 성격 그 자체에 의해 독자는, 해방된다기보다는, 방향감을 잃고 당혹스럽게 되는 때가 많다. 힐마 슈문트(Hilmar Schmundt)는 하이퍼픽션을 포함한 하이퍼텍스트 방식에서의 „텍스트 분절들의 간결성은 탈산업주의적 정보 사회의 분리된 피상성에 필적하는 것같다“(311)고 진단하고 있다. 비슷한 맥락에서, 고정된 선형적 텍스트의 통일성과 일관성이 해체되면 동시에 도덕도 붕괴된다고 보는 입장이 있을 것이다. 플롯과 도덕성 혹은 이데올로기를 연관시키는 헤이든 화이트가 말하는 내러티브성 혹은 서사성(narrativity)은 실제의 사건들에 허구적인 일관성을 부여하는 것이라고 할 수 있다. (그와 같은 허구적 일관성에 대한 욕망을 부정하는 다양한 실험들이 모더니스트 작가들에 의해서도 진행되었고, 포스트모더니스트 픽션으로 활성화된 셈이다.)

Schmundt, Hilmar. „Hyperfiction:The Romanticism of the Information Revolution.“ Southern Humanities Review XXIX. 4 (1995):309-321.


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