Der neue Drohnen-Führerschein: Wir müssen leider unten bleiben

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Bildschirmfoto 2017-09-29 um 18.46.50Eigentlich sollte der neue Drohnenführerschein, der ab Oktober erforderlich ist für Drohnen über 2 Kilogramm, das Copterfliegen sicherer machen.

 

Doch die meisten der rund 500.000 unbemannten Flugobjekte hierzulande sind leichter als zwei Kilo, der Inhalt der neuen Verordnung erreicht daher 90 Prozent der Piloten gar nicht – zumal er in unlesbarem Juristendeutsch formuliert ist. Doch es hakt an der Übersetzung und Kommunikation der Regeln, von denen viele durchaus sinnvoll sind (wenn auch nicht alle).

Dabei wäre es ein Leichtes, mit klugen Apps Klarheit zu schaffen, indem die Piloten einfach und klar erklärt bekommen, ob sie starten dürfen. Oder was genau dagegen spricht. Eine solche naheliegende Aufklärungskampagne für Piloten wurde leider von Verkehrsminister Dobrindt versäumt.

Ein Faltblatt des Ministeriums vergisst sogar, eine wichtige Flugverbotszone aufzulisten: im Umkreis von Krankenhäusern, weil dort oft Hubschrauber mit Verletzten landen.

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Der Effekt: Woche für Woche kommt es zu Fast-Kollisionen mit Flugzeugen oder Hubschraubern. Wir erklären in der aktuellen Ausgabe, was erlaubt ist und was nicht.

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Hier noch ein Gespräch, dass ich heute dazu im Kulturradio des RBB geführt habe mit Achim Friedl, Vorstandsmitglied beim Verband für unbemannte Luftfahrt (UAV DACH).

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Durch die Unklarheit und Unsicherheit kommt es immer wieder zu gefährlichen Annäherungen zwischen Drohnen und Flugzeugen. Doch bislang werden die Copter-Chaoten nicht erreicht. Für mich ist völlig unverständlich, warum das Verkehrsministerium und die Deutsche Flugsicherung nicht eine umfassende Warn- und Lernapp auf GPS-Basis herausgegeben haben, die jeder Nutzer vor der Inbetriebnahme installieren muss, vielleicht sogar einfach also Teil der Steuerungs-Software integriert. Als ich gestern so tat, als wollte ich am Berliner Alexanderplatz eine Drohne fliegen, warnte mich die Software nur schwammig: „Fly with caution“.

Von wegen fly with caution.

Dort ist eine Flugverbotszone. Aus mehreren Gründen. Die Bahn geht direkt daneben vorbei, dort schiebt sich jeden Tag eine riesige Menschenmenge über den Platz. Und natürlich liegt der Alex mitten im Bannkreis von fünf Kilometern, der den Reichstag und das Regierungsviertel vor UAV schützen soll.

Die neue Drohnen-Verordnung ist zahnlos, solange sie nicht verständlich kommuniziert wird.

Das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur hat zwar einen Papier-„Flyer“ herausgebracht. Aber was nützt ein Flyer, wenn er für die Piloten vor Ort nicht verfügbar ist?

Hier müsste dringend nachgebessert werden. Diese Versäumnisse leisten nur dem teils verbreiteten Gefühl der Angst Vorschub, das hierzulande gerne auf neue Technologien projiziert wird. Je schneller ein digitaler Beipackzettel in jeder Steuer-Software für Drohnen integriert ist, am besten mit einem interaktiven Quiz und GPS-basierten Warnungen, desto besser kann einer oft leicht hysterischen Angst-Debatte begegnet werden.

Was ist erlaubt, was verboten? Droht mir nach Überfliegen eines Wohngebietes vielleicht Jahre später ein Rechtsstreit? Welche App erklärt mir rechtssicher und klipp und klar, wann und wo ich fliegen darf? Diese Planungssicherheit fehlt bislang.

Vor kurzem wollte ich am russischen Ehrenmal in Treptow fliegen. Zwei Apps gaben mir die Auskunft: Alles OK. Doch kaum war ich gestartet, stoppte mich ein Polizeibeamter: Fliegen verboten, aufgrund der aktuellen Gefahrenlage. Genauer dürfe er mir das nicht erläutern. Aber ich solle doch nächstes Mal einfach beim zuständigen Polizeirevier anrufen. Wohlwollend sagte der Beamte mir aber, dass ich auf der anderen Straßenseite fliegen darf, im Park an der Spree. Was er nicht dazu sagte: Das dürfte ein etwa 10 Meter breiter Streifen sein, denn auf der einen Seite läuft eine Bundesstraße, auf der anderen eine Wasserstraße, und von beiden muss ich 100 Meter Abstand halten. Weder Apps noch Polizei sind also eine Hilfe beim Versuch, legal und mit Rechtssicherheit und Planungssicherheit zu fliegen.

Aufgrund der unklaren Rechtslage, vor allem was das Überfliegen von Wohngebieten angeht, heißt derzeit das Signal für Copter-Interessierte eher: Wir müssen leider unten bleiben. Zumindest im Umkreis von Städten. Auf dem Lande sieht die Lage oft einfacher aus, aber auch dort gibt es viele Regeln zu beachten. Zum Beispiel darf nicht über Naturschutzgebieten geflogen werden. Die aber werden in vielen Copter-Apps nicht berücksichtigt, sondern müssen separat von der Website des Bundesministeriums für Naturschutz heruntergezogen werden.

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Und ein ein paar Jahren kommen dann eh neue Regeln, denn die EU bastelt derzeit an einer einheitlichen Direktive. Noch ist Europa ein bunter, chaotischer Flickenteppich. Wer in Deutschland fliegen darf, hat damit in Österreich noch lange keine Flugerlaubnis, die muss man separat beantragen, 10 Tage vorher, sie kostet 330 Euro und gilt ein Jahr. Und wer dann auf dem Weg in den Urlaub auch noch in Italien fliegen will, muss sich wiederum mit den dortigen Regeln auseinandersetzen.

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Eine Helmpflicht für Radfahrer lenkt vom eigentlichen Problem ab. (Kommentar auf SPIEGEL Daily)

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Soll­te man die Helm­pflicht für Rad­ler ein­füh­ren, weil sie ja schließ­lich auch bei Mo­tor­rad­fah­rern gilt?

Nein. Es gibt Dis­kus­sio­nen, die sind so über­flüs­sig wie Stütz­rä­der an ei­nem Moun­tain­bike. Denn Stu­di­en von Si­cher­heits­for­schern be­le­gen im­mer wie­der das Pro­hi­bi­ti­ons­pa­ra­dox: Was im Ein­zel­fall gut ist, geht als Ge­setz manch­mal nach hin­ten los.

Ein Bei­spiel war die Al­ko­hol­pro­hi­bi­ti­on in den USA: Si­cher, für mich pri­vat ist es na­tür­lich ge­sün­der, nicht zu viel Schnaps zu trin­ken. Wird die­se Bin­sen­weis­heit aber in ein Al­ko­hol­ver­bot um­ge­münzt, be­för­dert sie Ne­ben­ef­fek­te wie Schwarz­markt, Ma­fia und Ge­walt­ver­bre­chen, die deut­lich un­ge­sün­der sein kön­nen als der Al­ko­hol selbst.

Was macht den Verkehr wirklich sicherer?

Die Par­al­le­le zwi­schen Fu­sel und Fahr­rad: Na­tür­lich be­nut­ze ich fast im­mer ei­nen Fahr­rad­helm und fin­de ihn vor al­lem für Kin­der sinn­voll. Aber ers­tens bringt die Fahr­rad­helm­pflicht we­nig: In Ka­na­da zum Bei­spiel ha­ben ei­ni­ge Pro­vin­zen sie ein­ge­führt, an­de­re nicht. In der Kran­ken­haus­sta­tis­tik macht das fast kei­nen Un­ter­schied aus.

Zwei­tens hält die Helm­pflicht vie­le Men­schen da­von ab, das Rad zu be­nut­zen. Und da­durch wird drit­tens ein kol­lek­ti­ver Schutz­ef­fekt ab­ge­schwächt: Je mehr Rad­ler un­ter­wegs sind, des­to sel­te­ner ge­ra­ten sie in Un­fäl­le (war­um, hat die For­schung noch nicht ge­klärt).

Vie­le der Stu­di­en lei­den zwar an me­tho­di­schen Un­si­cher­hei­ten. Er­staun­lich ei­nig sind sich vie­le Ver­kehrs­ex­per­ten, was den Ver­kehr wirk­lich si­che­rer ma­chen wür­de. Dazu ge­hö­ren Rad­we­ge, die nicht hin­ter ge­park­ten Au­tos ver­lau­fen, son­dern auf der Stra­ße. Oder Tem­po 30 in Ort­schaf­ten. Die Helm­de­bat­te lenkt nur da­von ab, das Not­wen­di­ge zu tun  und ist da­her fahr­läs­si­ger als das Ra­deln ohne Helm.

 

HIER ABSTIMMEN AUF SPIEGEL DAILY

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Alpen-Traum: Can global tourism help save remote mountain farms?

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My story about the Alps is out. It’s been a trip of pure Gonzo Alpinism* all over the wild heart of Europe.

I went to Switzerland, Austria, Italy, Bavaria. And partly down (and up) memory lane: I managed to reconnect to the farmers in a remote valley where we spent our summer vacations in 1975, 1976, 1977, 1978, living under the same roof, helping out with making hay, baking bread, getting honey from the neighbors, the full monty.

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One of our family rambles ended up as a photo in a book by climbing legend Reinhold Messner („Klettersteige Ostalpen“, 1978). That book sparked a stampede into the mountains, something Messner loathed. So he took the book off the market. But I still had my copy. He signed it for me when I met him on one of his castles near Bolzano two weeks ago. I am so thankful that my adventurous, wonderful parents took us three kids to Südtirol over and over and took us up to a couple of peaks, thus giving us three lowlanders from Hannover (55m above see level), a second Heimat away from home in the Alps.

 

 

Here’s a little video I made of our conversation with Messner:

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The 1200 km long crescent is technically the product of a collision between Europe and Africa, the Matterhorn for example is African, geologists insist. The lovely Edelweiss, too, epitome of regionalist nostalgia for a better past and Heimatseligkeit, is an immigrant from Asia after the last ice age. But here’s the thing: The Alps are what they are because of an influx of new people, ideas and botanical tourists.

 

Whenever I could, I went back to the mountains. After having spent many summers as a kid in the Alps, I joined a transalpine „Alpenüberquerung“ hike with my awesome sports teacher Welf Haase, who also tought us free climbing. On that Alpine crossing my attire was close to what Günter Aloys used to call „rotweißes Wanderschwein“, a hiker with a predilection for red-and-white plaid. Guilty as charged, but I didn’t care, as long as I was up there.

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Years later, I lived in Reichenhall and Berchtesgaden (Bavaria) for nearly two years when I worked with the Red Cross in my early twenties. Then I went on to get my degrees in geography, science journalism and American studies. Geography I liked not because I know all capitals by heart (I am often at a loss. Berne? Really?). I always liked spatial thinking, I used that approach for my books on memorial landscapes in Germany („Böse Orte“) and on inspiring Meccas of Modernity and Science („Mekkas der Moderne„).

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Although I had spent some time in the Alps, I was surprised at every turn during my trip this time. The Alps, for one thing, are home to over 14 million people, that’s roughly the size of London. Urbanization and demographic change is happening twice as fast as in the rest of the Alpine countries on average. And climate change, too, is happening at twice the speed of the global average, so far temperatures in the Alps have risen by 2 degrees centigrade. The reason for this speeded-up change? Self-reinforcing processes in an extreme environment where little initial changes often beget big consequences.

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What is even more striking: Many mountain farmers are struggling. They need to work in the tourism industry on the side. And tourism is getting more globalized. So you could argue: Globalization is saving traditional mountain farms (Almbauern). I never made that connection. It would be great to get some geographers, maybe from the amazing institutes in Innsbruck or Grenoble, to research that connection.

 

 

 

Take places like Interlaken, Engelberg, Zermatt or Salzburg, for example, catering to a colorful crowd of visitors from all over the place: Japan, India, UAE, you name it. Many people working in those hotspots of globalisation use that money to finance their lives as part time small holding farmers in the mountains for the rest of the year. I met a couple of them. But then again: Even the fiercest critics of tourism often overestimate the importance of travel, maybe because they, as travellers, live in a bubble, albeit angrily so: Only around 10 percent of the Alpine economy is tourism-related. So even if the tourism industry is helping in some cases with preserving wildlife or farms, tourism can only do so much. Other sectors of the economy, and politics, of course, may be way more important than what is most visible to the wanderer’s eye.

The Alps are changing fast, climate change is twice as fast (ca. 2 degrees centigrade) as the global average. They are not a museum of a better, more quiet past, but rather: a futuristic innovation lab, a crash course in change management for plants, animals and humans.

 

 

 

So. I consider my article to be part of a work in progress. I would love to report again about new and noteworthy research, projects, conflicts: avalanche protection, winter wild fires, wolves, Periurbanisierung, Parahotellerie. Let me know if you have new, relevant, hard hitting stuff I could write about. Also, I am interested in all maps and data that span ALL of the Alps. They are so rare. What I can recommend are books like „Gletscher im Treibhaus“ and „Bildatlas Alpen„.

Any article can only provide so much insight. My article in Der Spiegel can only be a first start – if that. So if you want to find out more about the Alps yourself (after getting a copy of Der Spiegel of course), why not join a trekking tour from Vienna to Nice, where they will arrive on September 29th, to have a beach party (weather permitting). They call themselves „Whatsalp„; but they are impossible to google because Sergey Brin tends to send you in the direction of a messaging app. You can check where the Whatsalp team is right now here.

Here are some links to places, people, apps ’n stuff  that I mention in the article:

Whoever might be interested: Here’s the link to Helga’s Alm.

This is a great AR app that tells you the names of the mountain peaks around you: Peakfinder.

This is a great map ressource for hikers: Mapout.

Here’s a link to the movie „Nordwand„. Pretty intense stuff, beware. Some people have trouble sleeping after watching it.

What to read? Maybe start with „Die Alpen“ by Werner Bätzing.

Also a great read, more focused on Alpine culture: Jon Mathieu, „Die Alpen – Raum, Kultur, Geschichte„.

Hilmar Watzmann Krähe

Me on Watzmann Mittelspitze with another Gonzo Alpinist

 


 

  • „Gonzo Alpinism“ is a neologism that the science historian Philipp Felsch („Laborlandschaften„) from Berlin came up with. He uses it to distinguish the classic, athletic forms of leisure on the Playground of Europe from a more open ended, contemporary, relaxed form of travel. Reinhold Messner’s next ten Mountain Museums should be exclusively dedicated to Gonzo Alpinism, some think.

Fett macht schlank: Diäten als Beispiel für die „Broken Clock Theory“

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Gesunde Ernährung braucht eine gesunde Portion gesundes Fett. Die weit verbreitet Fett-Phobie, die oft mit Magermilch und dem Ersatz von Fett durch Kohlenhydrate einhergeht, führt paradoxerweise nicht zum Abnehmen, sondern steckt wohl teils hinter der Zunahme von Adipositas.

Ich habe dazu im Spiegel einen Artikel geschrieben (erhältlich für € 0,39).

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Schluss mit Magerquark und Knäckebrot! Ein Harvard-Mediziner rät von Kalorienzählerei ab und sorgt mit einer neuen Ess-Regel für Aufsehen: Wer Fettpolster loswerden will, muss mehr Fett essen.

Mit 30 Jahren bemerkte David Ludwig, dass sein Problemchen immer größer wurde: Nach etwas Hüftspeck drohte eine Wampe, pro Jahr legte er bis zu zwei Pfund zu, schließlich erreichte er die Grenze zum Übergewicht. Eigentlich ernährte er sich gesund: nicht zu viel Fett, reichlich Vollkorn, Obst – und genug Bewegung.

Nichts half. Der Wabbel blieb.

David Ludwig, ein Herr mit runder Gelehrtenbrille, war erst verblüfft, dann frustriert. „Ich bin zwar Arzt, hatte aber keine Ahnung von Ernährung“, sagt er heute. „Wie so viele meiner Kollegen.“ Niemand konnte ihm erklären, warum er immer fülliger wurde, obwohl er weniger Fett zu sich nahm.

Dabei war Ludwig mit seinem Problem beileibe nicht allein. Übergewicht hat sich in den Industrienationen zu einem gigantischen Problem entwickelt; mehr als die Hälfte der deutschen Bevölkerung hat zu viel Speck auf den Rippen. In den USA leidet jeder dritte Erwachsene gar an krankhafter Fettleibigkeit (Adipositas), in Deutschland ist es fast jeder vierte. Nur noch knapp vierzig Prozent der Bürger gehen als normalgewichtig durch.

„Es ist verheerend!“, schimpft Ludwig und rattert die schlimmen Zahlen herunter: „Fast jeder zweite Erwachsene in den USA ist zuckerkrank oder hat Prädiabetes, Leiden, die im Zusammenhang mit Übergewicht stehen, kosten rund 190 Milliarden Dollar pro Jahr.“ Das sei deutlich mehr als die gesamten Kosten des Mondlandungsprogramms. Damals, Anfang der Neunzigerjahre, beschloss Ludwig, nach Lösungen für das Rätsel der Fettzunahme bei doch so gesunder Ernährung zu suchen.

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Nun bekomme ich eine ganze Flut von Leserzuschriften. Das freut mich. Ich möchte die zentralen Themen kurz vorstellen und dann knapp darauf eingehen.

Ein immer wiederkehrendes Thema ist dabei: Fett macht schlank, das ist doch nichts Neues. Das weiß ich schon lange. Dazu nachfolgend ein paar Beispiele.

Jörg Wunderwald aus Littenheid zum Beispiel schreibt mir:

„Wirklich erleuchtend Ihr spannender Artikel, doch erschien bereits 2002 das erwähnenswerte Buch „Fett macht schlank“.“

Lorenz Borsche schreibt mir:

„Alles nix neues, Michel Montignac: Essen gehen und dabei abnehmen… – aber

     trotzdem sehr wichtig, die KHD-Verfechter immer wieder zurück zu drängen…“

Andy Runge aus Fürstenfeldbruck schreibt mir:

„…da hat sich David Ludwig sehr viel Mühe gegeben,
um das festzustellen was Herr Atkins in den 70-er
Jahren schon genau beschrieben hat. Neue Erkenntnisse sind das beileibe nicht.“

Dr. Nicolai Worm aus München schreibt mir:

„Seit Jahren setze ich mich als Ernährungswissenschaftler dafür ein, dass diese Datenlage, die auch David Ludwig in seinem Buch beschreibt, endlich mehr Beachtung findet.“

Philip Lutz schreibt:

Der von Ihnen vorgestellte Harvard-Mediziner David Ludwig hat erkannt, daß es ihm ohne Kohlenhydrate besser geht. Er erklärt dem Publikum die unnatürliche Steigerung der Insulin-Produktion und das Risiko an Diabetes usw. zu erkranken. Die Ursache vieler positiver Effekte einer Lebensweise unter Kohlenhydratbeschränkung scheinen für ihn jedoch im Dunkeln zu bleiben. 

Ich möchte an dieser Stelle auf die jahrzehntelangen Untersuchungen, medizinischen Erfolge und Veröffentlichungen unseres Vaters Dr. Wolfgang Lutz zu diesem Thema hinweisen. Er hatte keine Universität im Rücken, keine Industrie, lediglich seine internistische Praxis in Salzburg als Betätigungsfeld. In den 60er, 70er und 80er Jahren des letzten Jahrhunderts war er ein einsamer Rufer für eine Ernährung mit Kohlenhydratbeschränkung, und das nicht nur im deutschen Sprachraum, als alle Welt noch tierische Fette verdammte. 

(….) Ich finde eine anhaltende Diskussion über Ernährung sehr wichtig. Es ist mir auch völlig klar, daß bei der heutigen Lage der Welternährung nicht empfohlen werden kann, sich weitgehend von tierischem Eiweiß zu ernähren. Es ist immer Vorsicht geboten und die journalistischen Recherchen sind mitunter zeitraubend. Aber ich denke, man sollte aktuelle Veröffentlichungen in den Kontext der jeweiligen geistigen Vorfahren stellen, wir alle stehen mit unseren geistigen Leistungen „auf den Schultern von Riesen“, nicht nur im kulturellen sondern auch im naturwissenschaftlichen Bereich.“

 

Dr. Heinrich Everke aus Konstanz schreibt:

Es stimmt, dass Hungerdiäten die Menschen nur immer dicker machen und das Kalorienzählen nichts nützt.

Es gibt aber nicht nur die „Insulinfalle“, sondern zum Beipiel auch das Ghrelin, das wir produzieren, wenn wir Hunger haben, was unseren Energieverbrauch reduziert und dadurch dicker macht. Und noch ein paar Dinge mehr, die es den Dicken fast unmöglich machen einfach abzunehmen.

Was mich ärgert ist, dass die meisten Ratschläge für Dicke von dünnen Asketen kommen, die meinen, man müsse nur die Schokolade weglassen und schon würde man dünn.

Man kann auch aus einem Bernhardiner keinen Windhund machen, indem man ihm das Essen kürzt!“

Rainer F. Voss aus Überlingen schreibt mir:

„…Ich hatte Ihnen die E-Mail geschickt quasi als Bestätigung des Inhalts „fat burns fat“, nur scheint diese Erkenntnis nicht neu zu sein sondern schon lange zumindest in Fachkreisen in den USA vorhanden. Wir hatten diese Diät 1999 von einer Bekannten bekommen welche damals mit einem amerikanischen Arzt befreundet war an dessen Klinik diese spezielle Diät bei übergewichtigen Patienten vor der OP angewendet wurde.

Die wissenschaftlichen Einzelheiten hierzu liegen mir nicht vor, Tatsache ist jedoch das es funktioniert und gleichzeitig ein Umdenken bei den betreffenden Personen bewirkt, dass Fett nicht unbedingt fett macht und es somit leichter fällt, die Ernährung auf nachhaltigere Kost umzustellen.

Wichtig beim Ganzen hierbei erscheint mir auch noch der Punkt, dass man sich richtig satt essen kann, das alberne Kalorienzählen fällt unter den Tisch und somit auch weitgehend die Gefahr des angesprochenen Jojo-Effekts.

Jasro schreibt im Forum auf Spiegel Online:

Ein UR-alter Hut….

Ich habe den Artikel eben in der aktuellen Printausgabe geärgert und mich schon darüber geärgert, dass „Low Carb/High Fat“ als „brandneue Erkenntnis“ verkauft wird.

Das gab es schon in den 1970er (!) Jahren als „Atkins-Diät“ des US-amerikanischen Arztes Robert Atkins (1930-2003). Sogar etwas früher veröffentlichte der österreichische Internist Wolfgang Lutz (1913-2010) sein bekanntes Buch „Leben ohne Brot“ und Ende der 1970er der deutsche Arzt Alexander Felix (Lebensdaten leider nicht bekannt) sein Buch „Das Schlankheitskonzept“.

Ein einziger Widerspruch war bislang unter den Zuschriften, der aber recht vehement. Chrisian Ückert schreibt mir recht ausführlich. Hier ein paar Kernpunkte, zitiert aus mehreren unterschiedlichen E-Mails:

„Zunächst einmal sind kohlenhydratreduzierte Low-carb oder ketogene Diäten ein alter Hut und nichts Neues. Trotzdem enthält ihr Artikel so viele haarsträubende Fehler und Halb-/Unwahrheiten, dass es mir beim Lesen fast die Fußnägel umgeklappt hat. Von einem Redakteur des Wissenschaftsressorts würde ich mir eine etwas gründlichere Recherche wünschen (….)

Was bitteschön soll an einer Kartoffel UNGESUND sein? bitte schauen Sie hier nach, wieviele „Nährstoffe“ eine Kartoffel enthält: http://nutritiondata.self.com/facts/vegetables-and-vegetable-products/2556/2 Sie finden dort die Liste aller enthaltenen Aminosäuren, Vitamine, Mineralstoffe. Kartoffeln werden erst dann „ungesund“, wenn man sie in billigem Fett frittiert.

(….)

Ob das Kaloriendefizit durch die Reduktion von Fettkalorien oder Kolenhydratkalorien oder durch eine Erhöhung des Kalorienverbrauchs zustande kommt, ist irrelevant.

(….)

Ich sage nicht, dass es leicht ist, abzunehmen. Aber die biochemische Grundlage ist simpel: Mehr Energie verbrauchen als man zuführt. Die Frage lautet eigentlich nur: Wie erreiche ich ein Kaloriendefizit, ohne ständig hungrig zu sein? Hier hilft meiner Meinung nach eine vollwertige Mischkost eher als irgendein Extrem.

(….)

Zum Schluss empfehle ich Ihnen noch etwas Lektüre und hoffe, dass ihr nächster Artikel über das Thema Ernährung etwas fundierter daher kommt.

Sehr lesenswert, die Artikel von Dr. Kurt Moosburger aus Österreich: http://www.dr-moosburger.at/publikationen.php (Internist, Sport- und Ernährungsmediziner). Lesen Sie ALLE Artikel, die Sie dort finden, es lohnt sich!“


Soweit ein paar Zuschriften.

In der Tat ist die vorgeschlagene Ernährungsumstellung in Richtung Mediterran/Flexi-Carb, nicht unähnlich der South Beach-Variante. Auch Omas Küche spielt eine Rolle (minus Zuckerzeug).

Den entscheidenden Unterschied sehe ich in diesem Falle jedoch darin, dass es sich, soweit das geht, um eine evidenzbasierte Küche handelt, die mit großen, randomisierten Studien untermauert ist. Das ist ungewöhnlich, denn auf dem bunten, widersprüchlichen Markt der Diäten gibt es nicht viele Autoren, die wirklich aus der klinischen Forschung kommen.
Warum aber sollte es wichtig sein, die Ernährungsumstellung evidenzbasiert zu gestalten? Nun, weil die Ernährungsbranche ein massives, zentrales Problem hat: Vertrauensverlust. Es gibt eine Flut von unfundierten, beliebigen Diäten, viele von ihnen auf schnelle Erfolge fokussiert, die aber nicht nachhaltig sind, einige so extrem, dass sie geradezu gefährlich sind.

Hier spielt ein zweiter Effekt eine Rolle: Die Broken Clock Theory. Natürlich gibt es in der Vielzahl von Ernährungsguru-Empfehlungen immer einzelne Aspekte, die sich als richtig und nachweislich sinnvoll erweisen: Alles nichts neues, ein alter Hut, schon seit den Siebzigern, schon seit den Zwanzigern. Nur: Welche von den unzähligen Diäten sind wirklich nachhaltig und warum? Warum genau sollten wir Atkins, Wolfgang Lutz oder Alexander Felix glauben? Und warum nicht den diametral entgegengesetzten Empfehlungen der USDA mit ihrer berühmten „Food Pyramid“ von 1992 (die heute als widerlegt gilt)?

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Kurzum: Wem kann ich glauben? Und warum sollte man Ernährung überhaupt als  Glaubensfrage behandeln? Das Argument „Alles nichts Neues“ hilft hier nicht weiter.

Die Öffentlichkeit wird häufig mit Diätgurus, Lobbyisten und Fanatikern alleine gelassen. Natürlich liegt auch ein Guru oder Marathonläufer oder Apotheker oder Koch immer mal wieder richtig mit einzelnen Diät-Aspekten. Es wäre sogar unwahrscheinlich, dass alle immer falsch liegen.

Hier hilft das Bild der „Broken Clock Theory“ zum Verständnis: Auch eine kaputte Uhr geht zweimal am Tag richtig. Nur: wann?

Um herauszufinden, welche der vielen Diäten wann sinnvoll ist, braucht es Quellentransparenz: Was ist die Beobachtungsgrundlage einer Diät? Fußt sie auf religiösen Prinzipien, auf den Vorlieben einzelner, auf großen randomisierten Studien? Und ist sie offen für Überprüfung und Falsifizierbarkeit? Genau diesen Prinzipien folgen Autoren wie David Ludwig, soweit ich das erkennen kann. Und das ist eben sehr selten auf dem Kochbuch- und Diätmarkt.

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Wir alle kennen Paläo, South Beach, Mediterran,  Vegan, Vegetarisch, Flexitarisch.

Die Beleglage, die Tests, die Veröffentlichungen in Peer-Review-Journals? Oft  schwach bis nonexistent.

Eine evidenzbasierte Diskussion könnte dazu beitragen, das Vertrauen der Verbraucher in Diätempfehlungen zurückzugewinnen.

 

Doch noch gibt es keinen Namen für die neue Form der Evidenzbasierten Küche.  Wie würden Sie diese Küche nennen?

Ich freue mich über Zuschriften.


Ach so, und ein Leser bittet mich:

„…habe heute beim Arzt im Wartezimmer den aktuellen Spiegel mit Ihrem Artikel gelesen. Sehr interessant !

Gerne möchte ich das genannte Fritatta-Rezept unter diesen neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen kochen. Darf ich Sie um das Rezept bitten?

Das wäre soo nett.“

 

Kein Problem. Hier ist das Rezept:


 

Dr. Ludwigs Lieblings-Frittata (für alle Ernährungsphasen)

Abgetippt aus dem Buch „nimmersatt“ von David Ludwig:

 

Dieses Gericht gibt s bei mir regelmäßig. Die Zubereitungs ist einfach, und was übrig bliebt, kann man unter dem Backofengrill rasch aufwärmen.

Eine kleine Restmenge eignet sich auch als schnelle Zwischenmahlzeit.

 Zubereitungszeit: 8 Minuten

Gesamtzeit: 25 Minuten

 Für 4 Portionen

 -3 TL Olivenöl, extra vergine

-5 Eier

-3 Eiweiß

-1 bis 2 Knoblauchzehen, gehackt

-1/2 TL Salz

-1/4 TL schwarzer Pfeffer, gemahlen

-1 kleine Zucchini, in dünnen Scheiben

-1 kleine Tomate, in dünnen Scheiben

-1 TL getrocknete italienische Kräuter

-60 g kräftiger Hartkäse, geraspelt (Emmentaler, Cheddar)

-2 Handvoll Grünkohl (in mundgerechten Stücken)

-1/2 Avocado, entsteint, geschälkt und in Scheiben, zum Garnieren

 Den Ofen auf 200 Grad vorheizen.

 Zwei Teelöffel Öl in einer großen gusseisernen Pfanne (oder einer anderen ofenfesten Pfanne ) auf kleiner Stufe erhitzen.

 Die Eier und die Eiweiße in Knoblauch, Salz und Pfeffer in einer Schüssel schaumig schlagen.

 Die Eimischung in die Pfanne gießen.

 Den Herd abschalten.

 Die Zucchini-Scheiben in einer Lage auf den Eiern verteilen.

 Die Tomatenscheiben in einer Lage auf den Zucchinischeiben verteilen.

 Mit Kräutern bestreuen und gleichmäßig mit dem Käse bedecken.

 Im Ofen fünf Minuten überbacken, bis der Käse schmilzt.

 Den Grünkohl mit dem restlichen Teelöffel Öl mischen, auf der Frittata verteilen und noch acht bis zehn Minuten weiterbacken, bis die Eimischung gestockt ist und der Grünkohl am Rand knusprig wird.

 Nach dem Aufschneiden mit frischen Avocadoschnitzen garnieren.

Absagen an den Untergang: Warum einige Verfechter des Konstruktiven Journalismus viel zu pessimistisch sind

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Auszug aus dem E-Book: Absagen an den Untergang.

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Wir leben in schrecklichen Zeiten: Terror in Europa, Krieg im Nahen Osten, Armut in Afrika. Die Schlagzeilen schreien täglich Katastrophen hinaus. Vieles davon mag für sich genommen korrekt sein. Doch stimmt auch das Gesamtbild vom allgemeinen Niedergang?

Weltweit formiert sich seit ein paar Jahren eine Bewegung der „rationalen Optimisten“ als Gegengewicht zu apokalyptischen Warnern, die immerzu den globalen Kollaps heraufbeschwören. Doch die Absagen an den Niedergang verschwinden oft hinter finsteren Schlagzeilen, die dem Sprichwort folgen: Probleme schreien – Lösungen flüstern.

Krieg und Mord zum Beispiel würden nicht mehr, sondern weniger, argumentiert der Harvard-Psychologe Steven Pinker in seinem Buch „Gewalt: Eine neue Geschichte der Menschheit“.

Hans Rosling, Professor für Internationale Gesundheit am Karolinska Institutet in Stockholm, unterhält sein Publikum mit kurzweiligen Pointen, die von einer besseren Welt erzählen: „Don’t Panic“ heißt eine Filmreihe, die er mit dem britischen Sender BBC produziert hat.

Max Roser, Datenspezialist am Institute for New Economic Thinking der Universität Oxford, stellt fast täglich erstaunliche Statistiken vor auf seiner Website Ourworldindata.org: Die Kindersterblichkeit etwa hat sich alleine seit 1990 weltweit halbiert. Ein großartiger Erfolg, von dem kaum jemand Notiz nimmt. Denn schlechte Nachrichten lassen sich oft genau datieren, gute dagegen beruhen meist auf sehr langsamen Trends, sagt Roser: „Ich kann keine Schlagzeile machen, die lautet: ‚Die Kindersterblichkeit fiel gestern wieder einmal um sensationelle 0,00719 Prozent‘.

Hart geht Roser mit den Medien ins Gericht – und nimmt auch die SPIEGEL-Gruppe nicht aus. „If it bleeds, it leads“, heißt ein zynisches Sprichwort: Rotlicht, Blaulicht, Kriege dominieren die Schlagzeilen. Es gehört zum Selbstverständnis vieler Journalisten, eher nach dem Haar in der Suppe zu suchen als nach Sahnehäubchen darauf. Wie wäre es, hin und wieder die Blickrichtung umzukehren: „If it succeeds, it leads“?

„Konstruktiver Journalismus“ oder „Solutions Journalism“ wird ein Ansatz genannt, der auch bei schwierigen Themen Hoffnung macht, Erfolgsmodelle erwähnt und über das Tagesgeschehen hinausweist. . Dabei geht es nicht um Gutelaunejournalismus, sondern um kritische Recherchen zu Themen wie Klimawandel, Drogenpolitik oder Kinderarbeit. Denn wer nach Lösungen sucht, muss zunächst einmal die Probleme benennen. Die Auswahl soll dabei keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben, sondern vor allem unterhalten und anregen.

Was ist Konstruktiver Journalismus?

Wer zehn Journalisten danach fragt, bekommt mindestens elf Antworten. Die Website des amerikanischen „Solutions Journalism Network“ hat jedoch ein paar Kernelemente herausdestilliert, die einen konstruktiven Beitrag oft kennzeichnen:

-Erklärt er die Hintergründe eines Problems?

-Präsentiert er eine passende Lösung?

-Erwähnt er auch die Grenzen des vorgeschlagenen Ansatzes?

-Feiert er nicht einfach einen Held ab, sondern präsentiert eher eine Methode?

Derlei Fragen dienen lediglich als Richtschnur, nicht als Patentrezept. Oft handelt es sich bei dem Genre um Mischformen, die Lösungen eher andeuten als hinausposaunen. Das muss keine Schwäche sein, sondern kann Vorteile bieten: It’s not a bug – it’s a feature. Denn jeder Verstoß gegen das stilistische Reinheitsgebot kann ein Risiko des Konstruktiven Journalismus abmildern: Er neigt hochdosiert teils zu moralinsaurer Besserwisserei. Und verstößt damit gegen ein ehernes Gesetz: Du sollst nicht langweilen.

Ist konstruktiver Journalismus naiv?

Manchmal wird dem Konstruktiven Journalismus unterstellt, dass er optimistisch oder sogar blauäugig sei. Schlagwort: „Keine Angst vorm Kuscheln.“

An diese Kritik schließt sich oft eine zweite an: dass er den Lesern und Zuschauern pädagogisch, paternalistisch und penetrant vorschreibe, wie sie die Welt zu sehen haben. Totschlagwort: „Nanny-Journalismus„.

Derlei Einwände sind nicht neu. Sie werden seit Jahren intensiv diskutiert, vor allem in den USA, in Dänemark und Schweden. Schon 2007 forderte Lisbeth Knudsen in einem Leitartikel einen stärkeren Fokus auf Konstruktiven Journalismus. Knudsen tat das als Chefin des dänischen Medienkonzerns Berlingske, einem Schwergewicht mit einer über 250-jährigen Tradition. Etliche Medienhäuser haben seitdem eigene Angebote entwickelt, vom niederländischen Startup „De Correspondent“ bis hin zur Washington Post mit der Rubrik „The Optimist“ oder zur New York Times mit  dem Blog „Fixes“ („Lösungen“).

„Fixes“ wurde mit ins Leben gerufen vom Buchautor und Reporter David Bornstein, der außerdem das bereits genannte Solutions Journalism Network mit betreibt. Bornstein geht es nicht um Wohlfühl-Journalismus – ganz im Gegenteil. Er sieht weichgespülte Gutelaunegegeschichten nicht als Teil des lösungsorientierten Journalismus, sondern als Teil des Problems. Seine Website warnt explizit vor Trittbrettfahrern („Solutions Journalism Impostors“), die mit naiven Gutgemeintheiten unter falscher Flagge segeln.

Ist Konstruktiver Journalismus dasselbe wie Positiver Journalismus?

Wenn Konstruktiver Journalismus umkippt in seine Kuschelform, den Positiven Journalismus, blickt er oft nur noch mit einem Auge auf die Welt: gutgläubig, handzahm und durch eine rosarote Brille. Christin Fink vom Deutschen Fachjournalisten-Verband schreibt dazu im Sammelband „Positiver Journalismus“, dieser versuche „beim Rezipienten positive kognitive, affektive und motivationale Wirkungen hervorzurufen. Damit stellt positiver Journalismus einen normativen – gegebenenfalls sogar pädagogischen – Ansatz dar.“

Beispiele für derlei Positiven Journalismus finden sich immer wieder in der Reihe „Heroes“ von CNN, in der Rubrik „Good News“ des Senders ABC, bei der Huffington Post oder auf der Website Positive News.

Konstruktiver Journalismus dagegen ist nach dieser Definition nicht positiv. Sondern zunächst einmal handwerklich sauber: kritisch, relevant, offen für unangenehme Wahrheiten. Denn wer Lösungen sucht, muss zunächst einmal die Probleme sehen. Im vorliegenden E-Book tauchen daher auch Artikel über Seuchen, Drogen und religiösen Hass auf. Aber eben ergänzt um eine Zusatzfrage: Wie könnten Lösungsansätze aussehen?

Was ist das „Sechste W“?

Wer, was, wo, wann, warum, diese Fragen gehören zum kanonischen Katalog der journalistischen Fragen. Die dänische Journalistin Cathrine Gyldensted fordert in ihrem Buch „From Mirrors to Movers„, dass diesen fünf Ws ein sechstes W hinzugefügt werden sollte: „Was nun“?

Gyldensted leitet an der Fachhochschule Windesheim in den Niederlanden den Fachbereich „Constructive Journalism“. Im Jahr 2011 schrieb sie in den USA ihre Magisterarbeit zum Thema Positive Psychologie – eine Denkrichtung, die weniger in alten Traumata kramt als Gefühle wie Glück, Optimismus und Zuversicht untersucht. Aus dieser Forschung ging später ihr Buch „From Mirrors to Movers“ hervor. Jahrelang hatte sie zuvor als investigative Reporterin gearbeitet. Ein Ergebnis überraschte sie besonders: Teils reichen schon wenige lösungsorientierte Sätze, um den Grundtenor eines ganzen Artikels grundlegend ins Konstruktive zu drehen – in Richtung des Sechsten W.

Kann Konstruktiver Journalismus kriselnde Medien retten?

„Die Leser von Konstruktiven Artikeln sagen, dass sie sich besser informiert und stärker involviert fühlen und mehr über ein Thema wissen wollen im Vergleich zu Lesern, die Geschichten ohne Lösungshinweise bekamen“, schreibt Gyldensted. Sie untermauert diese Beobachtung mit diversen wissenschaftlichen Studien.

Die amerikanische Zeitung „Deseret News“ zum Beispiel hat einen Vergleichstest gemacht mit zwei Versionen eines Online-Artikels über Gefängnisse. In der ersten Version war der Beitrag auf herkömmliche Weise geschrieben, in der zweiten erwähnte er zusätzlich Lösungsansätze. Die Abstimmung mit der Maus soll eindeutig ausgefallen sein, schreibt Gyldensted: Der konstruktive Artikel fand angeblich 21-mal mehr Leser.

Kann also Konstruktiver Journalismus auch in eigener Sache problemlösend wirken und die Reichweite eines schwächelnden Mediums entscheidend steigern? Das dürfte zu optimistisch sein, vermutet die Fachzeitschrift „Columbia Journalism Review„: „Good news is good business, but not a cure-all for journalism“ – Gute Nachrichten brächten zwar gutes Geld, seien aber kein Allheilmittel.

Auch bei SPIEGEL ONLINE wurde die Erfahrung gemacht, dass schon ein minimalinvasiver Eingriff einen großen Unterschied machen kann. Ein Artikel wurde in zwei Varianten freigeschaltet, die sich durch nur sieben Wörter im Vorspann unterschieden. Die erste Variante wurde so angekündigt:

„In Westafrika sollten deutlich weniger Kinder im Kakaoanbau arbeiten – das versprachen Konzerne und Regierungen. Doch eine neue Studie belegt ihr Scheitern: Die Zahl der minderjährigen Arbeiter auf den Plantagen ist stark gestiegen.“

Die zweite Variante des Vorspanns war genau gleich – aber um einen einzigen Satz länger:

Dabei könnte jeder Verbraucher etwas dagegen tun.“ 

Die Seiten-Abrufe verdoppelten sich daraufhin kurzfristig. Es scheint also eine gewisse Nachfrage zu geben nach lösungsorientierten Berichten. Noch allerdings ist die Datenlage dazu recht dünn. (Der Artikel ist Teil dieser Sammlung.)

Wie engagiert darf Konstruktiver Journalismus sein?

„Nachrichten dienen oft als Grundlage für politische Entscheidungen. Natürlich bewegen wir die Gesellschaft“, schreibt Cathrine Gyldensted in ihrem Buch. Schon der Titel „From Mirrors to Movers“ unterstreicht ihre Forderung, dass Journalisten sich eben nicht nur als neutralen Spiegel der Verhältnisse betrachten sollten, sondern als Motor von Veränderungen.

Gyldensted sieht ihren Ansatz in der Tradition des aus Dänemark in die USA immigrierten Reporters und Aktivisten Jacob Riis, der um 1890 herum mit seinen Fotoreportagen im Buch „How the Other Half Lives“ zum Anführer einer Reformbewegung wurde, welche die Lebensbedingungen in den Slums von New York verbesserte. Diese Denkschule meint: Beim Konstruktiven Journalismus komme zur Funktion eines gesellschaftlichen „Wachhundes“ die eines „Hirtenhundes“ hinzu, der die Leser wohlwollend in eine Richtung lenkt.

Gyldensted kokettiert dabei mit einer eher provokanten Position. Viele Journalisten würden sich traditionell stärker am Motto des Fernsehjournalisten Hans-Joachim Friedrichs orientieren, der einmal sagte: „Einen guten Journalisten erkennt man daran, dass er sich nicht gemein macht mit einer Sache, auch nicht mit einer guten.“

Wie also lässt sich eine Gute Sache erwähnen, ohne sie gleich zu propagieren? Ein Mittelweg könnte darin bestehen, zwar Beispiele für „Best practice“ zu nennen, diese aber möglichst sachlich und auch kritisch zu beschreiben. Was von ihnen zu halten ist, kann dann jeder für sich selbst entscheiden. Der Journalismus wäre bei diesem Ansatz weniger Hirtenhund als „Ideenbasar“, wie es der Essayist Georg Diez in dieser Sammlung formuliert.

Brauchen wir eine Quote für Konstruktiven Journalismus?

Mediale Miesepetrigkeit ist nicht gleichmäßig verteilt, sondern konzentriert sich bei bestimmten Themen. Über Afrika zum Beispiel berichten große deutsche Medienhäuser „zu 60 bis 79 Prozent im Kontext gewaltsamer, latent aggressiver oder zumindest kontroverser Themen“, schreiben die Kommunikationswissenschaftler Kai Hafez und Anne Grüne im bereits genannten Sammelband „Positiver Journalismus„. Generell gilt: Je näher und vertrauter ein Ort, desto positiver und differenzierter die Berichterstattung.

Um derlei systematische Verzerrungen zu korrigieren, werden bisweilen Quoten ins Spiel gebracht. „Die Medien konzentrieren sich auf negative Berichte“, kritisierte etwa der Chef der öffentlichen südafrikanischen Medienanstalt South African Broadcasting Corporation (SABC) 2013: „Ich glaube, SABC sollte zu 70 Prozent positive Berichte bringen und 30 Prozent negative.“

Diese Forderung löste einen Sturm der Entrüstung aus. „Sunshine news“ wird diese Form von Infotainment in Südafrika genannt. Die meisten Beobachter finden eine solche Quote für Kuscheljournalismus gefährlich. Und ähnlich abwegig, als wollte man im Wetterbericht einen Regenguss schönreden als „flüssigen Sonnenschein“.

Zerstören ‚bad news‘ die Medien und die Demokratie?

Constructive News“ heißt eines der bekanntesten Bücher zum Thema. Es stammt vom dänischen Rundfunk-Journalisten Ulrik Haagerup. Er trägt darin eine Fülle gelungener Experimente zusammen. Tenor: „Constructive news geht es um das Morgen: um Geschichten, die eine öffentliche Debatte über eine bessere Zukunft anregen und für sie werben.“

Um seiner Reform-Forderung Nachdruck zu verleihen, warnt der Untertitel des Buches allerdings leicht alarmistisch: „Why negativity destroys the media and democracy“. Doch wie negativ ist die Medienwelt eigentlich?

„Eine Story, die niemand wütend macht, ist bezahlt“, bimsten Haagerups Dozenten ihm schon am ersten Tag auf der Journalistenschule ein. Er hielt sich daran, wurde ein journalistischer „Bluthund“ und schrieb fortan „kurz und kantig und mit möglichst wenigen Zwischentönen“, wie er mit einem gewissen Sündenstolz vermerkt. Zusammen mit zwei Kollegen deckte er einen Betrug im Finanzsektor auf und bekam dafür den Cavling-Preis, so etwas wie den dänischen Pulitzer. Dann entdeckte Haagerup den Konstruktiven Journalismus und führte ihn als leitender Redakteur beim Sender „DR News“ ein.

Heute sei die Medienbranche „paralysiert und von Zynismus befallen“, schreibt Haagerup: „Die westlichen Demokratien kämpfen um ihr Fortbestehen“.

Die SPIEGEL-Gruppe dient ihm dabei als Negativbeispiel. Am 30. Juli 2013 etwa seien die Schwerpunkte großenteils deprimierend gewesen, schreibt er: Absturz des Goldpreises, Auslieferung von Kriminellen, der Papst spricht über Homosexualität, Polizisten erschießen einen Mann, Überwachung im Alltag, Schwerkranke Teenager.

Dies Programm klingt in der Tat nach medialem Masochismus. Doch zum Glück war es nicht ganz so schlimm, wie Haagerups selektive Auswahl suggeriert.

Denn allein das SPIEGEL-Heft, das an jenem Tag im Juli 2013 am Kiosk auslag, bot eben auch ganz andere Artikel, die Haagerup nicht erwähnt: Beiträge über die Lockerung der Zensur in Burma; über Ärzte, die ehrenamtlich Unversicherte behandeln; über einen ehemaligen Zivi aus Bayern, der in einem Slum in Südafrika eine preisgekrönte Fußballschule aufgezogen hat.

Es geht hier nicht darum, berechtigte Kritik abzubügeln. Der SPIEGEL hat sich seinen Ruf als eher düstere Lektüre schließlich über viele Jahrzehnte mühsam erarbeitet. Aber Haagerups negatives Zerrbild zeigt, dass manchmal gerade diejenigen, die mehr Konstruktiven Journalismus fordern, selbst zur Schwarzmalerei neigen, um aufzurütteln. Dann schlägt Lösungsorientierung um in Erlösungsorientierung.

Was ist der „Negativity Bias“?

„Heute twittern Redaktionen und Politiker – jede Story und jede Politik mit weniger als 140 Buchstaben. Das Produziert Trivialität“, schrieb Ex-Kanzler Helmut Schmidt im Vorwort zu Haagerups Buch: „Die Trivialität und Negativität der Medien infiziert die Politik.“

Doch diese Pessimismuskritik ist wohl zu pessimistisch und einseitig. Denn der Journalismus hat die Negativität nicht erfunden, sondern steht auf den Schultern von Riesen der Niedergangslyrik: Die Geistesgeschichte blickt auf eine stolze, jahrtausendelange Tradition der Untergangsstimmungsmache zurück, von Oswald Spengler über Friedrich Nietzsche bis zur biblischen Apokalypse.

„Jahrzehntelang war es fünf vor zwölf, waren insbesondere die Intellektuellen rechts wie links schier verrückt vor der Sorge, es könnten Nazis oder Kommunisten die Macht übernehmen“, schreibt der Essayist Nils Minkmar in dieser Sammlung: „In Wahrheit wurde das Leben in Deutschland besser, und zwar in allen Bereichen.“

Dennoch scheint die Nachfrage nach unterhaltsamen Untergängen ungebrochen zu sein. „Jedes abgestürzte Flugzeug ist eine Nachricht – tausend sicher gelandete sind keine“, schreibt Wolf Schneider, der Generationen von Journalisten ausgebildet hat, in einem ablehnenden Kommentar zu Haagerups Buch. Sein Fazit: „Mit so viel Unheil, wie die Leute sehen wollen, können selbst sensationsgierige Journalisten nur schwer konkurrieren.“

Möglicherweise ist die Angstlust eine anthropologische Konstante, Psychologen vermuten einen allgemeinmenschlichen Hang zu negativen Verzerrungen: Der „Negativity Bias“ könnte einst eine wichtige Überlebensstrategie gewesen sein, wenn man aus dem Knacken im Gebüsch auf ein Raubtier schließen musste, um zu überleben. Napoleon soll seinen Soldaten gesagt haben: „Lasst mich schlafen bei guten Nachrichten, weckt mich aber bei schlimmen!“

Doch was, wenn all die einseitig-schlechten Nachrichten einem die Ruhe rauben, bis man nicht mehr klar denken kann? Wer überprüfen will, wie negativ-verzerrt das eigene Weltbild ist, kann hier den sogenannten Ignoranz-Test auf SPIEGEL Online machen. Paradoxerweise schneiden in diesem Test die gebildeten Stände besonders schlecht ab.

Ist Konstruktiver Journalismus eher konservativ oder progressiv? 

Seine Gegner tun den Konstruktiven Journalismus teils als Forschrittsfrömmigkeit ab, teils als Vorwand für Tatenlosigkeit. Wer auf positive Entwicklungen verweist, zum Beispiel bei der Armutsbekämpfung, lädt der nicht die reichen Nationen zum Nichtstun ein? Nach dieser Lesart wäre Konstruktiv gleichzusetzen mit konservativ. Andererseits: Artikel über das erfolgreiche Absenken der Kindersterblichkeit beschreiben oft starke öffentliche Gesundheitssysteme als Teil der Lösung – und könnten daher möglicherweise als links gelten.

„Innerhalb von nur neun Minuten wurde ich beschuldigt, eine rechtsgerichtete Politik zu verfolgen, ein nordkoreanischer Kommunist zu sein oder als eine Art Terminator des Journalismus aufzutreten, der die Absicht hat, die kritische Berichterstattung niederzumachen“, skizziert Ulrik Haagerup einen Talkshow-Auftritt, in dem er für den Konstruktiven Journalismus warb.

Vielleicht kann die Symmetrie der Kritik aus mehreren politischen Richtungen auch als Kompliment gelten: als Indiz für Unabhängigkeit.

Was nun?

„Der heutige Journalismus macht mir Sorgen. Die Betonung der negativen Ereignisse ist viel zu stark“, hat der Friedensnobelpreisträger Albert Schweitzer in seiner Dschungelklinik einmal gesagt: „Wirklicher Fortschritt ist eng verbunden mit dem Glauben einer Menschheit, die ihn für möglich hält.“

Diese Einschätzung ist immer noch aktuell. Aber Schweitzer sprach sie vor über fünfzig Jahren aus. Das Unbehagen an der Negativität der Medien ist also nichts Neues.

Auch hier lohnt sich ein Blick auf die langfristigen Trends. Nach Jahrhunderten, in denen Nachrichten ein knappes Gut waren, erleben wir derzeit eine Überfülle der Information, eine Art Newstopia.

Wer Gute Nachrichten sucht, kann sie heute einfach finden: im Netz, in Büchern, im persönlichen Gespräch und natürlich bei SPIEGEL und SPIEGEL ONLINE. Konstruktiver Journalismus liegt auch im Auge der Betrachter.

Dies E-Book lädt dabei zu einer zweigleisigen Erkundungstour ein, die vielleicht zeigt: Die Welt ist nicht so finster, wie es manchmal scheint. Und die Medienwelt auch nicht.

Wer beim Lesen Lust auf mehr bekommen hat, findet im Anhang ein paar Lektüretipps.

Und auch auf Twitter ist zu diesen Fragen ein lebhafter Austausch im Gang. Diskutieren Sie mit unter dem Hashtag #KonstruktiverJournalismus

Hilmar Schmundt

Twitter: @hilmarschmundt

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  • ANHANG: Quellen und Lektüretipps 
  • Our World in Data
  • http://ourworldindata.org/
  • Eine Fülle von Fakten zu globalen Fortschritten, präsentiert vom deutschen Datenexperten Max Roser an der Oxford University.
  • Twitter: @maxroser
  • Gapminder
  • http://www.gapminder.org/
  • Statistiken und Videos zur Weltgesundheit, unterhaltsam vorgestellt vom Daten-Rockstar und Arzt Hans Rosling.
  • Twitter: @Gapminder
  • Solutions Journalism Network:
  • http://www.solutionsjournalism.org/
  • Aktueller, kritischer Überblick.
  • Ulrik Haagerup: „Constructive News – Warum bad news die Medien zerstören und wie Journalisten mit einem völlig neuen Ansatz wieder Menschen berühren“. Verlag Oberauer, Salzburg; ca. 212 Seiten; 24,90 Euro.
  • Twitter: @ulrikhaagerup
  • Unterhaltsame Einführung eines dänischen Chefredakteurs mit vielen Beispielen.
  • Cathrine Gyldensted: „From Mirrors to Movers: Five Elements of Positive Psychology in Constructive Journalism“. CreateSpace Independent Publishing Platform; ca. 204 Seiten; ca. 27 Euro. 
  • Engagierter Überblick einer dänischen Reporterin und Unidozentin aus eher psychologischer Sicht.
  • Constructive Journalism Project:
  • http://constructivejournalism.org
  • Aktuelle Website mit vielen Beispielen.
  • Steven Pinker: „Gewalt: Eine neue Geschichte der Menschheit“.  S. Fischer, Frankfurt; 1216 Seiten; ca. 12 Euro.
  • Gut lesbare Menschheitsgeschichte, die zu dem Resultat kommt: Nie war die Welt so friedlich wie heute.
  • Matt Ridley: „The Rational Optimist: How Prosperity Evolves“. Harper, New York; 448 Seiten; ca. 26 Euro.
  • Daniel Kahnemann: „Schnelles Denken, langsames Denken“. Siedler Verlag, München; 624 Seiten; ca. 17 Euro.
  • Ein Nobelpreisträger schreibt unterhaltsam über Fallstricke des Denkens.
  • Ian Macaskill: „Doing good Better: Effective Altruism and How You can make a Difference“. Faber and Faber, London; 324 Seiten; ca. 15 Euro.
  • Arthur Herman: „The Idea of Decline in Western History“. Free Press, New York; 528 Seiten; ca. 24 Euro.
  • Bissige, unterhaltsame Geschichte des Kulturpessimismus.
  • Deutscher Fachjournalistenverband (Hg.): „Positiver Journalismus“. UVK, Konstanz; 224 Seiten; 34 Euro
  • Akademische Aufsatzsammlung.
  • Lutz Mükke: „Journalisten der Finsternis. Akteure, Strukturen und Potenziale deutscher Afrika-Berichterstattung“. Herbert von Halem Verlag, Köln; 560 Seiten; 34 Euro.

Wurde 1417 die Moderne gefunden? In einem Kloster in Fulda? Und für zehn Cent wiederentdeckt?

Hervorgehoben

Heute bekommt Stephen Greenblatt für sein Buch “The Swerve” (Die Wende) den mit 10 000 Dollar dotierten Pulitzer Prize verliehen (in der Sparte Sachbuch). Er kann nicht persönlich in New York sein, weil er am Wissenschaftskolleg in Berlin ist (Hier ein Interview). Das obige Foto zeigt Greenblatt mit dem Motiv der Lukrez-Ausgabe, die er als Student kaufte, und die ihn Zeit lebens faszinierte. Sein Buch beginnt so:

“Als ich noch Student war, besuchte ich gegen Ende des Schuljahres regelmäßig den Yale Co-op und schaute, was ich für den Sommer zu lesen fand. Mein Taschengeld war knapp, doch die Buchhandlung schlug alljährlich ihre alten Ladenhüter los, zu lächerlich kleinen Preisen. Die Bücher wurden in Wühlkästen gestopft, und ohne feste Absichten machte ich mich darüber her, wartete einfach ab, was mir ins Auge fiel. Auf einem dieser Beutezüge stieß ich auf ein Taschenbuch mit einem äußerst seltsamen Cover, aufmerken ließ mich ein Ausschnitt aus einer Zeichnung des Surrealisten Max Ernst. Unter einer Mondsichel hoch über der Erde waren zwei Beinpaare – die Körper fehlten – mit etwas beschäftigt, das wohl ein himmlischer Beischlaf sein sollte. Das Buch Weiterlesen

‚That’s It, We’re Dead‘

Ten alpinists, including a guide with years of experience, set off to cross one of the Alps‘ most majestic mountaineering routes, the Haute Route. By the fourth day, a heavy snowstorm was brewing — but the group kept going, with deadly consequences.

 

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Notice:

Nous sommes toujours à la recherche des quatre survivants de France. Si vous connaissez quelqu’un qui pourrait vous aider à me contacter, veuillez transmettre cet article et mes coordonnées. Les sauveteurs de montagne d’Air Glaciers à la base de Sion et l’alpiniste Thomas Pfluegl du Club Alpin d’Autriche à Freistadt aiment aussi apprendre de cette tragédie. Les impressions et les expériences des survivants français pourraient être utiles pour obtenir de nouvelles idées pour améliorer la sécurité alpine. Bien entendu, chaque échange est traité de manière confidentielle. J’attends vos commentaires avec impatience sur www.schmundt.de ou www.spiegel.de ou via Twitter @hilmarschmundt

Note: We are still trying to contact the four French survivors of the tragedy. The alpine rescuers from Air Glaciers in Sion and the Alpine Club guide and organizer Thomas Pflügl from Freistadt, who was one of the first responders in the morning at Cabane des Vignettes, would also be interested in learning more details about what happened that night and how to improve your chances of survival. Maybe we all can glean some new insights from this terrible incident that could be helpful to improve safety in the mountains. So please pass on this article or contact me directly via www.schmundt.de, www.spiegel.de or Twitter: @hilmarschmundt

 

‚That’s It, We’re Dead‘

Ten alpinists, including a guide with years of experience, set off to cross one of the Alps‘ most majestic mountaineering routes, the Haute Route. By the fourth day, a heavy snowstorm was brewing — but the group kept going, with deadly consequences.

By Samiha Shafy and Hilmar Schmundt, Der Spiegel

At 5 a.m. on April 29, 2018, Lisa Hagen awakes in a mountain lodge 2,928 meters (9,606 feet) above sea level. She slept poorly and can’t stop thinking about the weather.

She creeps out of the bedroom, which she shared with the three other women and four men from her group, and walks to the lodge’s common area, where an iPad is kept. She looks out the window and sees the valley below still blanketed in darkness, though the first rays of light have begun to cast a milky glow on a nearby summit. To the south, dark, slender clouds brush across a nearby ridge. Lisa checks the weather report on the iPad. A cold front from the Atlantic has moved in and pushed out the warm Mediterranean air. Snow and storm gusts of over 100 kilometers per hour (62 miles per hour) are forecast. The zero-degree line has sunk from 3,000 meters — only slightly higher than where Lisa sits checking the weather — to below 2,000 meters.

Gradually, the rest of Lisa’s group begins to stir and enter the common room. They want to get an early start. It’s Day Four of their trek, and although they don’t realize it at the time, the worst is yet to come. The group’s guide and his wife were the first to wake up and both immediately checked the weather report. The guide stands there, contemplating and doesn’t say much. It’s his decision whether the group can keep going or not. Let’s have breakfast first and then decide, he says. There’s bread, butter, jam, tea and coffee on the table. He eats and has another look at the iPad. Let’s wait and see what the weather does, he says.

Lisa Hagen is 47, blonde, midheight and athletic. She was born in Munich, where the mountains are never more than a short drive away. Her parents were skiers, and her grandparents lived in a Bavarian ski resort town. Even as a small child, Lisa knew her way around a ski slope.

When Lisa was in her mid-30s, she met a man whose passion for the mountains rivaled her own. The two went ski touring together, climbing higher every time. They found a mountain guide they trusted, but then her partner died in a car accident. After that, Lisa explored the mountains on her own.

A Week on Skis and Crampons

Over the past few months, Lisa had intensified her training regimen. She wanted to fulfill her dream of traversing the Haute Route, or High Route, from Chamonix in France to Zermatt in Switzerland. A week on skis and crampons.

The first recorded summer traverse of the Haute Route was by a group of Britons around 150 years ago. The first winter crossing was in 1911. The route begins in Chamonix in the west, in the shadow of Mont Blanc, the Alps‘ highest peak, and ends in Zermatt in the east, where the Matterhorn reigns supreme. Four of the seven alpinists to first attempt an ascent of this towering, nearly symmetric Swiss peak in 1865 did not survive.

What Lisa Hagen and her group experienced in the days between April 25 and April 30 has been reconstructed through interviews with her and two others, as well as eyewitness reports and the results of investigations by the authorities. Lisa Hagen is not her real name. For a long time, she debated whether to come forward with her story. Once she did, a condition was that her identity be protected.

Lisa was nervous when she pulled into a parking lot outside Milan on April 25. She didn’t know any of the seven people with whom she would be tackling the Haute Route. One man and three women had arrived before her. Lisa’s eyes lingered on one of the women: She wore glitzy jewels on her fingers and thick makeup. She introduced herself: Francesca, from Parma, Italy, a 42-year-old homemaker and mother of three.

The others were from Bolzano in South Tyrol. Among them was a married couple, Gabriella and Marcello, 52 and 53 years old, and their friend Betti, 44. Marcello was a tax adviser, Gabriella worked in human resources and Betti was a school teacher. Betti had been so excited about the upcoming trek that she had baked a cake — which she carried with her in a cardboard box, along with her skis and backpack.

Then a man named Luciano joined the group. He was Swiss and, despite his 72 years, in excellent physical shape. He had many skiing and climbing expeditions on various continents under his belt. There was also Andrea, a 45-year-old male nurse from Como, Italy, who explained that he was taking the place of another Italian who had to cancel at the last minute.

(…) Then Lisa saw a face she recognized: the guide, Mario Castiglioni, 58, an Italian with deep lines in his face. It was the same guide who Lisa and her now deceased partner had for years trusted to navigate them safely through the mountains. Lisa also knew Mario’s wife, who stood next to him. Her name was Kalina Damyanova, 52, from Bulgaria. She often tagged along when her husband guided. She, too, was an experienced mountaineer.

Mario Castiglioni was an internationally certified mountain guide. His wife was not. He was a man of few words. She spoke five languages. Together, they ran the company MLG Mountain Guide in Chiasso, Switzerland. Their shop window contained photos of alpine tours, a Tibetan prayer flag and a mountain bike.

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The group piled into a small bus and a car and headed to Chamonix. They reached their hotel around 5 p.m. and gathered in an inner courtyard, where their guide went over the equipment they would need to cross the Haute Route: skis, poles, climbing skins, helmet, goggles, headlamp with extra batteries, gloves, thermos, travel-sized first-aid kit and sleeping bag. There were also beacons, shovels and probes in case anybody got caught in an avalanche. Not to mention climbing belts, ropes, crampons and ice picks for when things got steep. If anyone had forgotten something, the guide said, now would be the time to say so.

For Lisa, it was clear that Mario expected everything to go smoothly. For instance, he declined to go over certain items during his briefing, such as a balaclava to prevent a person’s head from cooling, a synthetic bivouac sack for sleeping outside on a frigid night or a small beacon that could send an emergency signal with GPS coordinates via satellite. Such items could prove useful if things went awry, but they also added extra weight and tended to be expensive.

Ten people is a lot for an ambitious trek. Such a large group is invariably slow, which is why Mario Castiglioni opted to travel light. In case of emergency, he always had his satellite phone.

Much like Lisa Hagen, Tommaso Piccioli, the heavyset Italian, had also spent years dreaming about the Haute Route. He grew up in Rimini, a coastal city in northern Italy, though the beaches never captured his passion as much as the Dolomites, a mountain range where his parents had a vacation home. He used to work at an architectural firm in Hamburg, Germany, and organized his life in such a way as to maximize his time in the mountains. With his wife, an Australian, he divided his time between Sydney, Milan and the family’s vacation home in South Tyrol. There, in the Italian Alpine Club, he became friends with Betti and the two of them decided to traverse the Haute Route together. He knew not to underestimate the route. It would be his first time with a guide.

Tommaso found it strange that the guide hadn’t mentioned GPS beacons during his briefing. But he didn’t dwell on the thought — after all, he had his own GPS device with which he could orient himself if need be.

A Storm Is Brewing

The first days were just like the catalogue had promised: Blue sky, white snow, descents into valleys and ascents to peaks as high as 2,459 meters. On Friday, Day Two, Tommaso read the weather report: The warm, dry wind that had afforded them clear and sunny skies so far would disappear by Sunday afternoon. The temperature would plummet, and a storm would settle in. But Sunday was a long way off.

On Saturday, Day Three, their journey took them 17 kilometers over a steep landscape to the next lodge. At one point, Tommaso lost his balance and fell nearly 5 meters until the rope caught him. He wasn’t injured.

For dinner they ate vegetable soup and noodles with ground beef. Tommaso ate a large bowl of soup and three helpings of noodles. He didn’t know it then, but his gorging would significantly increase his chances of surviving the next 36 hours. He went to bed around 9 p.m. and couldn’t sleep. He eventually took a sleeping pill.

As the group waited for their guide’s decision the next morning at breakfast, the lodge’s common area was steadily filling up. Most of the other 60 people in staying there would opt to wait out the storm. Tommaso Piccioli talked to a Frenchman who assured him the weather would quickly become perilous.

Mario Castiglioni thought otherwise. He convened his group and informed them they would be summiting the highest peak of the trip, the 3,790-meter Pigne d’Arolla. Once there, they would decide how to proceed.

According to their itinerary, the next lodge, the Cabane des Vignettes, is only six hours away. But something had gone wrong with their reservation and the lodge is fully booked. No problem, the guide says, if the weather takes a turn for the worst, they can always ski down into the valley from Pigne d’Arolla or try their luck at Cabane des Vignettes. In the worst case, they’ll have to sleep on the floor.

Simply because other guests preferred to err on the side of caution does not necessarily mean the guide’s decision to keep going was wrong. Alpinism knows few rigid rules. This ambiguity is what makes the sport so exhilarating — or terrifying, depending on the situation. Mountaineers must work with flexible risk analyses rather than certitudes.

That said, the group could have mitigated its risk fairly easily by using a GPS device to track its progress after leaving the lodge. That way, even if they could no longer see in front of them, they could trace their digital tracks back to safety. But they failed to do this. Instead, they followed their guide.

At 6:30 a.m., the group climbed a gradual, wide snowfield toward the summit.

A half-hour later, Pascal Gaspoz made himself an espresso in the valley below. Gaspoz is in his late 40s and a professional mountain rescuer. He works at the helicopter company Air-Glaciers. He checks his weather apps and prepares for the likelihood that he’ll soon have work to do.

The ascent to Pigne d’Arolla is less challenging than it is long. After 20 minutes, Lisa Hagen turns around and looks back at the lodge. It was the right decision to keep going, she thinks. The clouds are dispersing, and the sun is beginning to shine through. She takes a photo and climbs on.

The group makes its ascent without much conversation. Everyone is trying to conserve energy. They have no idea how long they’ll be climbing. Lisa isn’t exactly sure what Mario Castiglioni has planned as he leads them up the mountain. She could ask him directly, but it would require catching up to him. She stays in line. After all the times they’ve been in the mountains together, she trusts him.

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Tommaso Piccioli is ahead of Lisa. He’s glad he was able to sleep. He had a hearty breakfast and is feeling strong. He’s counting on the group skiing down to the valley or turning around to the lodge before the weather turns. The sky is already overcast again.

They’ve been climbing for three hours when the storm hits. It happens sooner and it’s more aggressive than expected. Snow swirls around them and everything they could see only moments ago — the lodge, the tracks they left behind, the mountains, the valley — is suddenly gone. It’s too late to descend on skis, the view is too poor. They pack away their skis and walk up to the guide. No one speaks. Mario Castiglioni casts a long, colorful rope through the snow behind him so that the others can follow his tracks. His wife takes up the rear, helping those with the least amount of energy. Gabriella is one of them. She lost a crampon somewhere along the way.

Around 10 a.m., the group runs into four other people. They are French alpinists, two women and two men, who have gotten lost. Lisa Hagen notices that one of the men has a compass and a map. How old-fashioned, she thinks — and useless in a storm like this. The Frenchman tries to communicate with their guide, screaming against the wind. She can’t hear what he says, but it appears as if the two of them are disagreeing. The guide then marches on and the French fall in line behind him.

Keep Calm, Don’t Panic

Lisa Hagen still isn’t sure where Mario is leading them. At some point, she sees Kalina, Mario’s wife, through the fog. She calls to her: Why didn’t we ski down to the valley sooner? Not now, Kalina answers, we can discuss everything tonight. Lisa thinks about sitting inside a warm lodge later that evening with a beer in hand. Mario knows what he’s doing, she thinks. He’s never let her down before.

After a while, she realizes the group is ascending the same area they descended earlier. I must keep calm, she tells herself. Don’t panic. She puts one foot in front of the other, jamming her poles into the snow with every step. She can no longer see the guide. Tommaso Piccioli, who has a GPS device with him, catches up to the guide and asks him: Where are you going? It’s OK, Mario calls back to him. They continue for a bit and then Tommaso shows the guide his GPS. At the corner of the display is the beginning of a trail.

They change direction and head to where they think the trail is. A lodge suddenly appears on Tommaso’s screen. „Guys, we’re going the right way!“ Tommaso tells the group. They keep going until they reach the edge of a cliff. They turn around and look for another way down to the lodge. Except there is no way down.

At some point the fog clears and Luciano, the 72-year-old man from Switzerland, sees a black rubber hose hanging over a ledge. Luciano knows that in the summertime, this hose carries water from a spring directly to the Cabane des Vignettes. He says: We just have to follow the hose. But the more they do so, the steeper the ledge becomes. At some point, the hose is so far above their heads they can no longer see it due to all the snow. They have to turn around. Lisa Hagen notices that Gabriella can hardly walk. The guide’s wife has taken her climbing belt and one of her skis. One of the Frenchmen is carrying the other one.

They could stop and dig a hole in the snow. It would offer them shelter for the night. But they keep going.

(….)

Read the full article here: http://www.spiegel.de/international/europe/that-s-it-we-re-dead-disaster-strikes-along-the-alps-haute-route-a-1220184.html

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Additional material:

There are some detailed discussions going on in a couple of online forums like outdoorseiten.net / („Schwarzer Sonntag am Pigne“). TillmanG from Sondershausen in Thuringia, Germany, is calling for a professional look into the events, from a mountaineering perspective:

„Es ist schon schade, dass es keine unabhängige bergsteigerische Aufarbeitung dieser Katastrophe gibt, von Menschen die über alle Informationen verfügen. Aber wer soll das leisten? Die Bergführerverbände jedenfalls haben sich dafür frühzeitig disqualifiziert. Der schweizerische ohne direkten Anlass, da er keine eigenen Mitglieder schützen musste.“

Dem Wunsch nach einer bergsteigerischen, unabhängigen Aufarbeitung kann ich mich nur anschließen. Wäre super, wenn sich die Franzosen, gerne anonym und vertraulich, bei Rettern oder Sicherheitsbeauftragten melden würden. Wir könnten so viel lernen von den Ereignissen!

Here’s an interview I did with the Swiss mountain guide Marco Mehli about the incident: „Die Gäste haben bezahlt und wollen im Zweifelsfall auf den Gipfel“.

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Here’s an interview with the mountain guide Hans Peter Eisendle from South Tyrol about the incident and safety in the mountains in general: „Diener und Herr zugleich“.

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An article in NZZ about the incident: „21 Stunden in der Hölle: So verlief das Walliser Bergdrama“.

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